Otto Haesler und Kurt Schwitters betreten das Atelier von Anna Oppermann

Kunstverein Celle6.3. - 24.4.2022

Die Ausstellung in der Gotischen Halle im Celler Schloss handelt von unterschiedlichen Orten der Kunst und deren Transfers: Vom Ausstellungsraum in die Fotografie; von der Fotografie in das Buch (als eigenständiges und der Ausstellung entsprechendes Medium); vom Arbeitsprozess im Atelier, dessen Zwischenergebnisse selbst wieder Fotografien sind; letztlich vom Konzipieren bzw. Entwerfen einer Idee wieder zurück in den Raum, der die Ausstellung sein wird. Wobei Atelier und Ausstellung, Fotografie und Objekt, Buch und Institution hierarchisch gesehen auf der gleichen Ebene liegen und keinem Ort oder Medium Vorrang eingeräumt wird.

Der Ort Celle wird über die Person Otto Haesler und seine modernen, architektonischen Setzungen mit ins Spiel gebracht. Insofern könnte man im erweiterten Sinne von Site-Specifity sprechen. Allerdings werden die Bezüge in ein schon vorhandenes künstlerisches Koordinatensystem eingepasst. Neben dem Hauptmedium Fotografie werden dies Farbtafeln bzw. –stelen sein, die sich auch auf einen Kanon der Moderne beziehen, sowie Tapetenmuster, die einen ebensolchen (modernen) Hintergrund haben. Die vielteiligen Arbeiten Anna Oppermanns können paradigmatisch genommen werden, für eine konzeptionelle Herangehensweise, die sich mit der Überprüfung von Wirklichkeit beschäftigt. Immer aber als nicht abschliessbarer Prozess, dessen jeweiligen (Zwischen-)Ergebnisse je neue Möglichkeiten generieren.

Die Gotische Halle wird als so gewordene, mehrfach veränderte Architektur belassen und dadurch besser sichtbar gemacht. Die Ausstellung findet in der Hauptsache auf 5 grossen Tisch-Ensembles statt. Im Raum werden wenige Objekte und die schon angesprochenen Farbstelen und Tapeten sparsam positioniert. Ein kurzes Video „Stolbergasse (Sophie Thun), 2020“ wird im Eingangsbereich abgespielt. Es handelt von einer Ateliersituation, die jedoch inszeniert ist, da ein Fotoatelier in einem Ausstellungsraum der Wiener Secession nachgebaut wurde. Der während den Ausstellungszeiten normalerweise nicht betretbare Raum wurde über eine Webcam auch ins Foyer übertragen und von mir genau in dem Moment abgefilmt als zwei Personen die Künstlerin dort besuchten.

(Christian Helbock, Juli 2021)

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